Trauma-Arbeit

Trauma ist möglicherweise die am meisten angefochtene, ignorierte, verharmloste, verleugnete, missverstandene und nicht behandelte Ursache für menschliches Leiden.

Peter Levine in „Verwundete Kinderseelen heilen“ S. 22

Im Laufe ihres Lebens sind die meisten Menschen (vor allem im Säuglings- und Kinderalter) schon in Situationen geraten, in denen ihre Bewältigungsmöglichkeiten nicht ausgereicht haben und  auf diese Weise traumatisiert wurden. Diese Situationen entstehen nicht nur durch sehr extreme Bedrohungen (sexueller Missbrauch, Krieg, Tsunami..) sondern auch durch vergleichsweise weniger dramatisch erscheinende Umstände (Stürze, Unfälle, medizinische Eingriffe, verloren gehen im Kaufhaus, plötzliche laute Geräusche). Je jünger das Kind, desto eher kann es von den Umständen überwältigt werden.

Eine solche Überwältigung, die anschließend keine liebevolle Aufmerksamkeit, Hilfe und Zeit bekommt zu heilen, verändert in starker Weise und nachhaltig unser Nervensystem. In deiser Situation werden große Mengen an Energie aktiviert, die nicht abgebaut werden kann und  dann in unserm Körper abgespeichert wird.  Von dort gibt diese gespeicherte Energie dem Gehirn hormonelle Signale, dass die Gefahr noch immer nicht vorüber wäre, auch wenn das objektiv der Fall ist . Man nennt diese Abläufe Gefahrenstoffwechsel.

Der Gefahrenstoffwechsel führt zu vielen Symptomen. Gefühle der Hilflosigkeit, Bewegungsunfähigkeit und Erstarrung treten unmittelbar auf, andere Symptome können gleichzeitig oder später auftreten (Übermäßige Wachsamkeit, Überaktivität, mangelndes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, geringe Stresstoleranz, übertriebene emotionale Reaktionen)

Erfolgreiche Traumabehandlung unterbricht den Gefahrenstoffwechsel,  indem sich die Behandlung auf die Ebene des Körpers begibt, nämlich auf die Ebene des Stammhirns (den Teil des Gehirns, den wir auch mit den Reptilien gemeinsam haben). Dort werden unsere Körperempfindungen verarbeitet  (weich, hart, durchlässig, beklemmt, fließend, prickelnd, taub…).

Indem wir diese Körperempfindungen in unser Bewusstsein treten lassen,  ihnen Raum und Zeit geben, zeigen sich uns  genau die Körperempfindungen (zumeist in Form von unterschiedlichsten Formen von Enge) , die wir in der Überwältigung des Traumas nicht spüren konnten.  Das Fühlen der aktuellen Empfindungen, die auch gleichzeitig die alten Empfindungen sind, gibt uns eine erneute Chance  den gestoppten Zyklus von damals zu Ende zu führen. Durch Zulassen von allen Reaktionen und Emotionen, die stattfinden wollten nach dem Trauma (Weinen, Zittern, Schreien, rennen…) und jetzt tatsächlich stattfinden dürfen, kann die Energie von damals abgebaut werden. Der Gefahrenstoffwechsel wird unterbrochen. Das Gehirn kann dann wieder von Gefahr auf Frieden schalten. Die Symptome verschwinden.